Arbeitsgruppe 3: "Regional zusammenarbeiten"

 

Sprecher:

Prof. Dr. Matthias Morfeld,
Hochschule Magdeburg-Stendal

 

Diskutierte Themen:

  • Generell: es wurde angestrebt, keine indikationsbezogene Diskussion zu führen. Trotzdem kristallisierte sich ein Schwerpunkt Neurologie heraus.
  • Hingegen wurden die Überlegungen auf den Personenkreis fokussiert, der auch mit einer medizinischen Rehabilitation nicht nur vorübergehend oder ggf. dauerhaft auf Grund einer gesundheitlichen Schädigung eine relevante Beeinträchtigung der Teilhabe aufweist oder dem diese zumindest droht.
  • Als besondere Personengruppe wurden die Menschen identifiziert, die jetzt schon Eingliederungshilfe erhalten und insofern schwer beeinträchtigt, mehrfachbehindert oder gar schwerstmehrfachbehindert gelten. Da für gerade diese Gruppe der Sozialraum eine zentrale Bedeutung hat, sollen die Chancen und Grenzen der herkömmlichen medizinischen Rehabilitation für diese Gruppe ausgelotet werden und ggf. kompensatorische oder alternative Lösungen im Sozialraum identifiziert werden (Best practice). Diese sollen aber nicht im Vordergrund der Bearbeitung stehen.
  • Der fokussierte Personenkreis lebt und arbeitet im Sozialraum, so dass man diesen einerseits als „in die medizinische Reha abgebenden“ und andererseits als „nach der medizinischen Reha aufnehmenden“ Sozialraum verstehen kann. Teilhabeprobleme und deren Lösung sind, wenn sie sich nicht durch Veränderungen des Individuums selbst lösen lassen, im Teilhabe ermöglichenden oder ggf. behindernden Sozialraum zu begreifen.
  • Sozialraum oder Region soll nicht nur im Sinne des Quartiers verstanden werden, sondern sollte eine Differenzierung nach Größe, reharelevanter Ausstattung, Aufgaben etc. beinhalten -> Differenzierung zwischen Lebenswelt und Sozialraum
  • Die Funktionsfähigkeit bzw. die Teilhabechancen sollten in Bezug auf alle Lebensbereiche betrachtet werden, da bei Personen mit Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit und dadurch eingeschränkter Teilhabe häufig verschiedene Lebensbereiche betroffen sind und eine wechselseitige Beeinflussung anzunehmen ist.
  • Schnittstellen-Probleme – v.a. Erstkontakt im Gesundheitswesen / niedergelassene medizinische Versorgung / Nachsorge – innerhalb der Versorgungselemente und zwischen verschiedenen Reha-Trägern
  • Wer benötigt regionale Vernetzung bzw. profitiert davon?
  • Welche Organisationsmodelle und Schnittstellengestaltungen kommen im als Netzwerk gedachten Sozialraum in Betracht, haben sich bewährt oder sind zu entwickeln?
  • Konkret: Wie gestaltet sich der Ablauf von der Indikation für eine medizinische Reha, deren Durchführung und dann vor allem die weitere Versorgung im aufnehmenden Sozialraum?
  • Welche Angebote sollten wohnortnah und betriebsnah vorhanden sein und welche sind in einer größeren Entfernung ausreichend?
  • Bedarf für flexibilisierte und modularisierte Rehabilitation im Sozialraum – Orientierung an der ICF und Kontextfaktoren
  • Analyse von Best-Practice Beispielen

Identifikation von Problemen:

  • Rehabilitation ist mittelschichtorientiert
  • Notwendige Verhaltensänderungen werden im Rahmen der Rehabilitation zwar initiiert, jedoch anschließend nicht beibehalten
  • medizinische Rehabilitation ist immer noch viel zu wenig am Ziel der Teilhabe ausgerichtet
  • Sozialräume sind nach Größe und Aufgaben zu differenzieren
  • Rolle der Hausärzte – benötigter Unterstützungsbedarf. Die Sicht der Vertragsärzte auf medizinische Reha entspricht nicht deren tatsächlichem Potential, so dass Chancen nicht genutzt werden.
  • Definition von Region und Sozialraum
  • Nachsorgekonzepte aus der jeweiligen Maßnahme heraus und im Anschluss an die Maßnahme scheinen den Sozialraum und seine Potentiale nur unzureichend abzubilden bzw. einzubeziehen.

Ergebnisse:

  • Im Sozialraum sind zahlreiche Ressourcen vorhanden, die nicht genutzt werden 
  • Etablierung rehamedizinischer Ansprechpartner im Sozialraum und Unterstützung der Vertragsärzte durch u.a. ambulante Fachdienste, Reha-Kliniken, Pflegestützpunkte, spezifische Reha-Betreuer ist erforderlich
  • Etablierung eines Reha-Netzwerkes in der Region: Wer initiiert, organisiert, entwickelt?
  • Identifikation des Bedarfs für Teilhabemanager
  • Insbesondere die sog. Nachsorge, vielleicht besser eine allgemein konzipierte Phase E als Brücke zur Inklusion, ist zu analysieren und zu verbessern.

Herausgearbeitete Limitierungen:

  • Limitierungen werden vor allem durch die Trägerdifferenzierungen, die eingefahrenen Strukturen und Verhaltensweisen der Akteure in der vertragsärztlichen Versorgung, die unklare Finanzierung von Netzwerkarbeit im Sozialraum, die mangelnde gesetzliche Fixierung eines Fallmanagements und im Fehlen von Versorgungselementen im Sozialraum gesehen, so dass Empfehlungen bspw. zur Nachsorge im Sozialraum aufgrund seiner Ausstattung (z.B. ländliche Region) und Fehlen eines Netzwerkes nicht umgesetzt werden können.
  • Es fehlt an einer verbindlichen Regionalplanung und deren gesetzlicher Grundlage